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Wie alles begann:
Die Geschichte der Tanzschule Thiele

Ihm haben wir alles zu verdanken: Albert Krüger, geboren am 26.12.1903 in Speyer. Nach abgeschlossener Lehre als Elektroninstallateur und Schlosser entdeckt er seine Liebe zum Tanzen.

In der Frankfurter Ballettschule läßt er sich zum Lehrer für Gesellschaftstanz ausbilden. Am 3. Oktober 1925 eröffnet er im angemieteten Harmoniesaal des Wittelsbacher Hofes in Speyer seine Tanzschule. Rheinländer, Polka, Onestep, Boston, Twostep, Black Bottom, Jemmy und Charleston sind die Tänze dieser Jahre.

historie1Die ersten Kurse sind klein (9-12 Paare), kaum einer jünger als 17 Jahre. Doch alle sind gleich mit Begeisterung dabei. Albert Krüger macht es von Anfang an Spaß mit kleineren Gruppen etwas einzustudieren, das sie dann auf größeren Ballveranstaltungen voführen. Er fühlt sich in seinem Metier glücklich, denn dieser Beruf ist, wie er selbst sagt “von Anfang mein Hobby”

1927 unterzieht er sich bei der Künstlergewerkschaft Bayerns einer weiteren Prüfung. Schon 1929 ernennt ihn der Landesverband Bayrischer Tanzlehrer “in Würdigung seiner Leistungen als Tanzlehrer und Fachschulleiter” zum Mitglied der Fachprüfungskommission.

27 Jahre alt ist der junge Tanzlehrer, als er eine erste Goldmedaille des Beruffachverbandes für seine Leistungen als Fachlehrer in Neustadt, München und Nürnberg erhält. Er gilt als anerkannter Wertungsrichter und kommt bei zahlreichen repräsentativen Turnieren zum Einsatz. Als geschickter Organisator wirkt er bei großen Tanzveranstaltungen mit. Viele Jahre ist er Vorsitzender des Bayrischen Berufsfachverbandes und wird mehrfach für seine Leistungen ausgezeichnet.

historie2Sein Hauptlebensinhalt bleibt jedoch immer die von ihm gegründete Tanzschule in Speyer. Er lehrt stets das Neueste, das morgen erst die Ballsäle erobert, vergißt darüber aber nie die sorgfältige Vermittlung des Traditionellen.

Bei den Tanzereignissen in Speyer ist er der dezente Regisseur, der mit einem Fingerzeig die Polonaise in die richtigen Bahnen lenkt. Charme, Witz und ein feines Wesen zeichnen diesen liebenswerten Menschen aus.

Doch nicht nur den Tanzschülern sondern auch den Tischtennisspielern, den Freunden des Billard und des Schachs ist “Papa Krüger” ein Begriff.

Seiner Tanzschule entspringt die erste Speyerer Tischtennisabteilung, welche die Stadt bei so manchen Meisterschaften im süddeutschen Raum erfolgreich vertritt. Im Speyerer Schachclub gönnt sich “Papa Krüger” die notwendige Erholung für seinen doch sehr “bewegten” Beruf. Jahrelang führt er als Jugendwart viele Jugendliche in die Kunst des königlichen Spieles ein.

historie3Mit seinen Gründungen hat Albert Krüger stets Glück. So auch mit seinem “Hobbykreis Grün-Gold”, aus welchem sich später ein erfolgreicher Tanzsportclub entwickelt.

1933 heiratet er Hermine Bantz aus der bekannten Speyerer Turnerfamilie. Sie hat in Berlin die Ausbildung zur Gymnastiklehrerin absolviert und nach ihrer Ausbildung zur Tanzlehrerin steht sie ein Leben lang an der Seite ihres Mannes in diesem schönen Beruf.

1937 vervollständigt Tochter Ursula die Familie. Sie wird zunächst auch “Petersilie” genannt, denn eigentlich sollte sie ein “Peter” werden. (Anmerkung: Das mit dem “Peter” klappte erst in der nächsten Generation)

Während Albert Krüger im Krieg und später in Kriegsgefangenschaft ist, führt seine Frau Hermine die Tanzschule. In dieser Zeit findet der Unterricht bei verschlossenen Türen und ganz leiser Musik statt, da die “Sperrstunde” meist schon überschritten war. Bezahlt wird mit Naturalien wie Kartoffeln, Obst und Gemüse. Einige Tanzschüler bringen Brennholz für die kalten Säle im Café Hilzinger oder Café Ebert mit. Im ausgeräumten Wohnzimmer in der Gutenbergstraße unterrichtet Hermine Krüger die Prominenz der Stadt in Privatstunden.

In die auswärtigen Kurse und “Tanzkränzchen” fährt sie mit dem Fahrrad, den Plattenspieler im Rucksack. Nach Ketsch geht es nur über die Rheinhäuser Fähre, nachdem die Rheinbrücke gesprengt ist. Der “Berghäuser Buckel” ist auch ganz schön anstrengend. Einmal muß sie sich auch vor einem jungen entlaufenen Stier in Sicherheit bringen, welcher ihr auf der Landstraße entgegen kommt. Unterstützt wird sie in ihrer Arbeit von Schwägerin Krüger.

Zu den Tanzkränzchen darf auch Tochter Ursula mitfahren, damit sich das Kind mal satt essen kann”. Doch meist wird es Ursula hinterher schlecht, da ihr kleiner Bauch solch üppige Mahlzeiten nicht gewohnt ist.

Albert Krüger muntert derweilen seine Kameraden in der Kriegsgefangenschaft mit einigen Tanzschritten auf. Wieder zu Hause organisiert er gleich regelmäßige Treffen mit seinen Kollegen zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung.

Eigene Unterrichtsräume bleiben leider weiter ein Traum und so werden, wie bisher, Säle in verschiedenen Gaststätten angemietet.

So mancher echte Speyerer verbindet seine Erinnerungen an die Tanzstundenzeit mit dem Café Hilzinger, dem Café Ebert, der Schwartz´schen Brauerei, dem Domnapf, dem Sternemoos, dem Wittelsbacher Hof, dem goldenen Adler, dem katholischen Vereinshaus, der Rudergesellschaft, dem Wassersportverein oder dem Gambrinus.

Zu den Auswärtskursen in Schifferstadt, Otterstadt, Waldsee, Berghausen, Heiligenstein, Dudenhofen und später auch in Harthausen, Gommersheim und Geinsheim fahren sie mit dem Fahrrad oder dem Zug.

Für Privatunterricht, Einstudierungen und kleinere Kurse wird jeweils der größte Raum in der Wohnung ausgeräumt.

1953 lernt Ursula Krüger ihren Werner Thiele in der Tanzstunde kennen. Werner ist mit seinen Eltern aus Magdeburg nach Westdeutschland geflüchtet und absolviert neben einer Elektrolehre gerade die Abendakademie in Mannheim. Von Esslingen aus, wo er anschließend studiert, fährt er per Motorrad jedes Wochenende zu seiner Freundin nach Speyer. Er bewundert “Papa Krüger” von Anfang an und möchte schließlich als Tanzlehrer einmal genau so gut werden wie sein Vorbild.

1957 wird Hochzeit gefeiert. Noch im gleichen Jahr kommt Tochter Ulla auf die Welt. Peter folgt 1960 und 1966 wird Monika geboren.

Werner und Ursula Thiele helfen von Anfang an in der Tanzschule mit. Sie machen beide die Tanzlehrer- und Tanzsporttrainer-Ausbildung.

1968 überträgt Albert Krüger schließlich die Leitung der Tanzschule an Tochter und Schwiegersohn, bleibt jedoch weiterhin als Berater und fleißiger Buchhalter aktiv im Hintergrund, denn die Büroarbeit in der Tanzschule ist inzwischen ganz schön umfangreich geworden. Auch werden jetzt regelmäßig Tanzinfos an alle Schüler verschickt, alles in Handarbeit, denn schließlich gibt es noch keinen Computer.

Neben der Familie, der Tanzschule und eigenem Turniertraining suchen Werner und Ursula als erstes einen geeigneten Bauplatz um den Traum der eigenen Räumlichkeiten für die Tanzschule endlich zu verwirklichen. Auf dem ehemaligen Basketballplatz des CVJM werden sie schließlich fündig.

Groß und hell soll die Tanzschule werden, mit einer Terrasse wie am Bootshaus der Rudergesellschaft, wo die beiden Jungbauherren ihre Jugend verbrachten. Die Tanzschule ist noch im Rohbau, als die Kündigung des Wittelsbacher Hofes wegen Hotelumbaus ins Haus flattert. Doch schnell war in St. Otto eine vorübergehende Bleibe für die Tanzschule gefunden.

1973 kann der Neubau in der Raiffeisenstraße endlich bezogen werden. Endlich eigene Räume! In herrlich freier Umgebung, mit großem Parkplatz, viel Tageslicht, abseits vom Stadtzentrum und doch schnell erreichbar für alle.

Mit den neuen Räumen entstehen auch neue Kursangebote: Ballett, Gymnastik, Yoga und Jazztanz. Gisèle Santoro (Brasilien) und Annelies Theobald (Speyer) sind die engagierten Mitarbeiterinnen dieser Zeit.

Weitere Tanzkreise gründen sich. Für die eigene Weiterbildung werden Fachschulungen und Treffen für Kollegen in den neuen großzügigen Räumlichkeiten organisiert.

Um für “ihren Club” fit zu sein, tanzen Werner und Ursula Thiele jahrelang erfolgreich bei Profiturnieren mit (Werners Lieblingstanz ist der Slowfox, Ursula liebt die Samba). Spitzentrainer aus England sind daher regelmäßig zu Gast in Speyer.

historie4Vom rheinlandpfälzischen Tanzsportverband wird das Ehepaar Thiele als Landestrainer und Fachberater verpflichtet. Somit kommen Paarschulungen, Ausbildung der Übungsleiter und Trainer zu den zahlreichen eigenen Aufgaben hinzu.

Der “TSC Grün-Gold” Speyer, welcher aus dem Tanzkreis der Tanzschule 1969 gegründet wurde, führt unter dem Trainerteam Thiele jahrelang die Spitze im rheinlandpfälzischen Medaillenspiegel an.

1975 bereitet sich die Tanzschule auf den Festball für ihr 50jähriges Jubiläum vor. Leider erlebt der Gründer Albert Krüger seinen großen Ehrentag nicht mehr. Er stirbt am 1. April 1975. Ein Jahr später folgt ihm seine Frau.

Die drei Thiele Kinder haben inzwischen auch ihre Liebe zum Tanzen entdeckt, doch jedes auf seine Art: Peter begeistert sich für Boogie und Rock´n Roll, Monika tanzt Turnier in der lateinamerikanischen Sektion (Landesmeisterin der D- und C-Klasse). Ulla hingegen ist ein Allroundtalent. Nach ihrer Ausbildung während der Kindheit im Klassischen Ballett an der Musikhochschule Mannheim begeistert sie sich neben den 10 Turniertänzen auch für Jazz, Step-Tanz und Rock´n Roll bis in die A-Klasse.

Während sich Peter und Ulla schließlich für den Tanzlehrerberuf entscheiden, will Monika lieber “was G´scheites” lernen. Sie wird Erzieherin.

Für die Rock´n Roll-Begeisterten wird Europameister René Sagarra nach Speyer geholt, zum Jazz-Seminar für Kollegen Experte Fred Traguth aus Bonn. Für die Lateinschulungen findet World-Cup-Siegerin Ute Streicher ihren Weg von Freiburg nach Speyer. Pierre Dulaine und Yvonne Marceau aus New York tanzen in Speyer ihre berühmte Weltmeisterschaftsshow und zeigen danach den begeisterten Tanzschülern das Neueste aus Amerika.

Nach den 13-fachen Weltmeistern Bill und Bobbie Irvine kommen die frischgebackenen Weltmeister Marcus und Karen Hilton dreimal zu Festbällen der Tanzschule nach Speyer.

historie5Neben unzähligen Abschlußbällen wird die Tanzschule in der Raiffeisenstraße auch Austragungsort vieler Tanzturniere und attraktiver Meisterschaften. 1977 organisiert der “1. RRC Thiele” die Internationalen Deutschen Rock´n Roll Meisterschaften. Ulla und ihr Partner Gerhard Marz werden in der Kategorie B Deutscher Meister.

historie61978 wandern Ulla und Peter aus, um sich in Augsburg und Hamburg bei den Weltmeistern Trautz und Opitz-Hädrich zu Tanzlehrern ausbilden zu lassen.

Ulla unterrichtet zunächst in Augsburg und bereitet sich auf die Prüfung zum Tanzsporttrainer vor. Sie schließt ihre Prüfungen jeweils mit der Traumnote 1,0 als bester Prüfling Deutschlands ab. In Speyer gründet sie die “Pink Panther”, welche bei den deutschen Stepmeisterschaften 1989 den 3. Platz erreichen.

Nach der Bundeswehrzeit steigt Peter 1980 gleich voll in die elterliche Tanzschule ein und übernimmt neben seinen Kursen auch den Gaststättenbetrieb der Tanzschule. Er organisiert eine quirlige Boogieformation, aus deren Mitte schließlich Marc Stegmann & Sabine Zillmann 1993 zum Tanzwettbewerb der deutschen Tanzschulen geschickt werden. Vor 3000 Zuschauern ertanzen sie sich den klaren 1. Platz und dürfen als bestes deutsches Boogiepaar nach New York fliegen.

historie7Ulla und Peter assistieren 1989 ihren Eltern im Unterricht beim Intako (Internationaler Tanzlehrerkongreß

Insgesamt wird das Ehepaar Thiele bis 1996 zu 10 internationalen Kongressen in Deutschland, Österreich, Finnland, Holland, der Schweiz und Brasilien als Fachlehrer eingeladen.

Für ihre Verdienste um den deutschen Tanzsport verleiht der Landessportverband ihnen die Ehrennadel in Gold und der deutsche Tanzsportverband die Ehrennadel in Silber. Die Stadt Speyer ehrt beide mit der Sportmedaille für ihre Verdienste um den TSC “Grün-Gold”.

1991 kommt Sabine Ossenbrink, ehemalige Tanzschülerin, als erste “fremde” Tanzlehrerin dazu. Sie gründet die ersten Kindergruppen und arbeitet bis 1998 in der Tanzschule mit.

1997 geben Werner und Ursula Thiele die Tanzschule an die dritte Generation ab. Peter und Ulla übernehmen mit Schwung, Begeisterung und Organisationstalent die neue Verantwortung. Eine schöne Eingangsterrasse entsteht, welche gerade im Sommer von vielen Tanzschülern gern genutzt wird. Die ehemalige Kellerbar wird neu gestaltet und wird nun auch als 4. Unterrichtsraum genutzt.

1998 kommt Mike Appelmann, auch ehemaliger Tanzschüler und inzwischen erfahrener Tanzlehrer, zum Thiele-Team dazu.

Als Kindertanzspezialistin ergänzt Petra Fedlmeier den Tanzlehrerkreis. Ihre ersten Tanzschritte hat Petra ebenfalls in der Tanzschule Thiele geübt, aber nicht im Tanzkurs, sondern mit 4 Jahren im Ballett. Tanzkurs und Stepformation schlossen sich nahtlos an und nach dem Examen als Grund- und Hauptschullehrerin hat sie sich fürs Tanzen als Beruf entschieden.

Ulla und Petra sind als Dance-4-Fans-Instruktoren für die neuesten Tanzschritte der Charts zuständig und werden seit September 2000 in der Arbeit mit den über 300 Kindern von einer dritten Kindertanzlehrerin unterstützt: Anke Dann.

Ein weiter Sprung von 1925 bis 2000! Von Charleston bis zu Video-Clip-Dancing, von Schülerkursen im angemieteten Saal mit einer Tanzfläche von 60qm bis zum großen Tanzzentrum mit 4 Sälen und einer Tanzfläche von 450qm in der Raiffeisenstraße, wo rund 1000 Menschen wöchentlich ihre Freizeit verbringen. Vom handbetriebenen Plattenspieler bis zu 4 modern ausgestatteten Diskotheken. Vom Ein-Mann-Unternehmen bis zur Tanzschule mit sieben Tanzlehrern und 20 weiteren Angestellten. Von einigen wenigen Schellakplatten bis zur großen Sammlung von tausenden Schallplatten und CDs. Vom Tanzen im Sonntagsstaat bis zu Jeans und Turnschuhen. (Noch 1932 war z.B. in einigen Tanzschulen das Tragen von Handschuhen beim Tanzen für die Herren Pflicht, damit die Kleider der Damen nicht vom Handschweiß beschmutzt werden.)

Eines ist aber seit 1925 gleich geblieben: Die Liebe und Begeisterung der Tanzlehrer zu ihrem Beruf und die Freude an der Arbeit mit den Schülern.

Doch wie bereits anfangs gesagt, haben wir es diesem jungen Albert Krüger zu verdanken, der 1925 mit seiner damals verrückten Idee eine Tanzschule zu gründen den ersten Schritt in diese Richtung ging. Sicher wäre er stolz zu wissen, daß mit Kim und Meike bereits die 4. Generation in der Tanzschule tanzt.

Unser Tanz-Treff-Thiele Team wird inzwischen verstärkt duch die Kindertanzlehrer und D4F-Instructoren Nicole Borchert, Samuel Hiemer und Julianna Felske sowie unserer Auszubildenden Katy Schultz, der Lehrerin für orientalischen Tanz Petra Karsch und unserem Hip Hop und Freestyle-Choreographen Osman Caliskan.

 

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